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Nachhaltigkeitsindikatoren

 

Nachhaltigkeitsindikatoren

Nachhaltigkeitsindikatoren sind Messgrößen, welche eine Einschätzung von einem Handlungsfeld ermöglichen. Handlungsfelder der Nachhaltigen Entwicklung sind in den Bereichen von Ökologie, Ökonomie, Soziales und Partizipation angesiedelt.

Nachhaltigkeitsindikatoren sind mit einem Fieberthermometer zu Vergleichen, welches durch die Anzeige der Körpertemperatur eine Einschätzung des Gesundheitszustandes des Organismus ermöglichen. Die Körpertemperatur ist aber nur ein Indikator, eine Anzeige und erst weitere Untersuchungen lassen detaillierte Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand und die Gesundheitsentwicklung zu.

Die Aufgabe von Indikatoren ist es, komplexe Zusammenhänge durch repräsentative Messgrößen möglichst angemessen abzubilden. Eine bestimmte Situation in einem Handlungsfeld kann angezeigt werden und eine erste Einschätzung der Situation wird ermöglicht. Nachhaltigkeitsindikatoren konkretisieren Problematiken des Themas und ermöglichen durch zeitliche (Jahresreihen) oder räumliche (Städte, Länder,...) Vergleiche eine Visualisierung von Entwicklung.

In einer Kommune können sie Mittel zur Information und Kommunikation über die Nachhaltige Entwicklung sein. Kommunale Entscheidungen, welche sich auf die verschiedenen Handlungsfelder beziehen können unterstützt werden und die kommunale Nachhaltige Entwicklung wird evaluierbar und kontrollierbar. 

Funktionen von Nachhaltigkeitsindikatoren:

  • Sensibilisierung, Kommunikation, Förderung des Verständnisses der Nachhaltigen Entwicklung
  • „Messbarmachung“ der Nachhaltigkeit durch quantitative Größen (Indikatoren)
  • Beurteilung von Stand und Entwicklung dieser Größen
  • Beurteilung, Meinungsbild und Entscheidung über Handlungen und Vorhaben
  • Festlegung von Zielen und Durchführen einer Erfolgskontrolle

Nachhaltigkeitsindikatoren haben praktische und grundsätzliche Grenzen. Die Auswahl der Indikatoren ist eine Vereinfachung und ein pragmatisches Modell von Nachhaltiger Entwicklung und somit durch Schwerpunktsetzung eine Wertung. Die Datenverfügbarkeit beeinträchtigt die Nachhaltigkeitsrelevanz der Indikatoren und die Suche nach dem optimalen Gleichgewicht zwischen Wissenschaftlichkeit, Verständlichkeit und politischer Wirksamkeit führt teilweise zu starken Vereinfachungen. Des weiteren besteht ein Problem bei der Vergleichbarkeit von Daten, da teilweise unterschiedliche Prioritäten, Indikatoren oder Erhebungsverfahren benutzt werden. Insgesamt sind Nachhaltigkeitsindikatoren und Nachhaltigkeitsbeurteilungen immer durch den Stand unseres Verständnisses von Nachhaltigkeit geprägt, welches seinerseits noch in Entwicklung begriffen ist.

Eine sorgfältige Analyse der komplexen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Nachhaltigkeitsebenen/ Handlungsfeldern ist somit von hoher Bedeutung.

 Damit Nachhaltigkeitsindikatoren ihre Funktion erfüllen können, müssen sie verschiedene Anforderung gerecht werden:

  • Das Indikatorensystem sollte an das Ziel und die kommunalen Eigenschaften angepasst werden.
  • Die Vergleichswerte oder Zielerreichungswerte der Indikatoren sollten formuliert werden.
  • Die Indikatoren sollten eindeutig sein, so dass sie Handlungsfelder konkretisieren. (Bildlich-subjektive Nachvollziehbarkeit)
  • Die Datenverfügbarkeit sollte überprüft werden. (Datenerhebbarkeit, Erhebungsaufwand)
  • Die Reproduzierbarkeit und zeitlich kontinuierliche Erhebbarkeit sollte gesichert sein.
  • Die politische Bedeutung sollte geklärt werden

Ist Nachhaltige Stadtentwicklung messbar?

Ein Grundsatz der Nachhaltigen Entwicklung ist: „Lokal handeln, global denken!“ Nachhaltige Stadtentwicklung ist die lokale Ebene der Nachhaltigen Entwicklung. Die Lokale Agenda 21 soll die Themen der Nachhaltige Entwicklung auf lokale Handlungsfelder übertragen und durch Projekte und Prozesse zu einer zukunftsfähigen Entwicklung beitragen.

Durch Indikatoren wird Nachhaltige Stadtentwicklung messbar, kontrollierbar, sichtbar. Die kommunalen Beiträge zur Unterstützung der Lokalen Agenda 21 bzw. der Nachhaltigen Entwicklung können konkretisiert werden und in das Handeln der Kommune einfließen.

Auf der kommunalen Ebene können Beiträge geleistet werden zu:

Ökologie

Ökonomie

Soziales

  • Abfall
  • Boden
  • Wasser
  • Niedriger Energieeinsatz
  • Erneuerbare Energien
  • Mobilität
  • Ökosysteme und Artenvielfalt
  • Arbeit
  • Ausbildung
  • Wirtschaftsstruktur
  • Öffentlicher Haushalt
  • Betrieblicher Umweltschutz
  • Ökologische Landwirtschaft

 

  • Einkommen und Vermögen
  • Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur
  • Geschlechtergerechtigkeit
  • Internationale Gerechtigkeit
  • Sicherheit
  • Familienfreundliche Strukturen
  • Integration

 Alle Bereiche sind durch Indikatoren messbar, so dass sich eine Indikatorensystem von 20 Basisindikatoren ergibt. Dieses kommunale Nachhaltigkeitsindikatorensystem könnte dazu beitragen:

  • sich einen Überblick über die kommunale Nachhaltigkeit zu verschaffen,
  • knappe Ressourcen, wie zum Beispiel die Fläche, intelligent zu nutzen,
  • die wirtschaftliche Effizienz zu steigern,
  • Fragen sozialer Gerechtigkeit zu behandeln,
  • Stadtentwicklungsprozesse zukunftsweisend zu steuern und
  • Öffentlichkeit und Bewusstsein für eine Nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

 Die entwickelten Nachhaltigkeitsindikatoren[1] sind mittlerweile praxiserprobt, leicht zugänglich und an bestehende Standards angepasst. Durch die kommunale Förderung und die Integration von Indikatoren in die Verwaltung kann langfristig durch „Nachhaltigkeitsprüfungen“ die kommunale nachhaltige Stadtentwicklung gefördert, gelenkt und realisiert werden.

Die Ziele in den verschiedenen Bereichen sind somit 

Ökologie

Ökonomie

Soziales

·         Geringe Abfallmenge

·         Möglichst niedrige Luftverschmutzung

·         Erhaltung der Ökosysteme und der Artenvielfalt

·         Erhaltung des Bestandes an erneuerbaren Ressourcen

·         Geringe Entnahme von nicht erneuerbaren Ressourcen

·         Verbesserung des Umweltschutzes

·         Gleichmäßige Verteilung von Arbeit

·         Angemessener Privater Verbrauch und Ausstattung der Haushalte

·         Möglichst hoher regionaler Selbstversorgungsgrad

·         Ausgeglichene Wirtschaftsstruktur

·         Preisniveaustabilität

·         Gesunden Struktur der öffentlichen Haushalte

·         Gleichmäßige Einkommens- und Vermögensverteilung

·         Hohes Niveau von Kultur und Ausbildung

·         Ausgewogene Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur

·         Sozial- und Umweltverträgliche Mobilität

·         Hohes Gesundheitsniveau

·         Hohes Sicherheitsniveau



[1] besonders zu Empfehlen: Gemeinsam empfohlene Indikatoren zur kommunalen Nachhaltigkeit; Agenda Transfer, Bundesweite Servicestelle Lokale Agenda 21; Bonn; 2003